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2. Dezember 2019 – Sichtwerk

Steuertipps aus der Praxis #4: Zuwendungsniessbrauch an Kinder

Der Vorteil beim Zuwendungsniessbrauch liegt aber darin, dass eine Eigentumsübertragung nicht nötig ist. Denn dem Kind werden (ggf. zeitlich beschränkt) nur die Erträge aus einer Sache übertragen, nicht jedoch das Eigentum.

Da Kinder regelmäßig über keine bzw. äußerst geringe eigenen Einkünfte verfügen, ist die Einkunftsverlagerung auf den Nachwuchs grundsätzlich ein probates Steuersparmodell. Viele Eltern scheuen sich, ihr Vermögen (endgültig) zu übertragen.

Zuwendungsniessbrauch

Beispiel für Zuwendungsniessbrauch an Kinder

Vater V hat ein Einkommen, dass im Spitzensteuersatz von 45% liegt. Zu seinem Vermögen gehört eine vermietete Doppelhaushälfte (Baujahr 1960, schuldenfrei, kein Instandhaltungsstau). Daraus entsteht ein jährlicher steuerlicher Überschuss von € 20.000.

V will seine studierende Tochter T ohnehin monetär unterstützen. V räumt T deshalb ein auf die Studiumsdauer von fünf Jahren befristetes unentgeltliches Nießbrauchsrecht an der Doppelhaushälfte ein. T hat außer einer Tätigkeit als Mini-Jobberin keine weiteren Einkünfte.

Lösung: V verlagert die bei ihm mit 45% zu versteuernden Vermietungseinkünfte auf T. Mangels Vorliegen anderer Einkünfte (der Mini-Job ist regelmäßig steuerfrei) versteuert T die Vermietungseinkünfte mit einem wesentlich niedrigeren Steuersatz als V.

Jährliche Steuerentlastung V geschätzt: € 9.000 (45%) Jährliche Steuerbelastung T geschätzt: € 3.000 (15-20%) Jährliche Steuerersparnis saldiert: € 6.000

DARAUF MUSS BEIM ZUWENDUNGSNIESSBRAUCH GEACHTET WERDEN

• Weder V noch T können die AfA (= Abschreibung) aus der Doppelhaushälfte im Nießbrauchszeitraum steuerlich verwerten. Idealerweise wird deshalb ein Nießbrauch auf eine schon abgeschriebene Immobilie eingetragen (= älter als 50 Jahre).

• Das Gebäude sollte schuldenfrei sein, sonst verfehlt der Nießbrauch den Zweck, die Tochter zu unterstützen.

• Es sollten im Nießbrauchszeitraum keine größeren Instandhaltungen anfallen bzw. sollten diese vorher durchgeführt werden (steuerliche Verwertung bei V).

• T wird Vermieterin der Immobilie, weshalb die Information des Vermieterwechsels an den Mieter zu erfolgen hat; außerdem sind die Mieten auf ein auf T lautendes Konto zu überweisen.

• Der Zuwendungsnießbrauch erfordert eine notarielle Beurkundung.

• T wird für den Nießbrauchszeitraum Vermieter mit allen zugehörigen Rechten, Pflichten und der Tragung der laufenden Kosten (Hausverwaltung, usw.).

• Der Nießbrach stellt eine Schenkung von V an T dar. Insofern ist ein Teil des Freibetrages von € 400.000 für 10 Jahre verbraucht. Ggf. sind Vorschenkungen im 10-Jahreszeitraum zu prüfen.

• Es ist abzuprüfen, ob und wie sich die Vermietungseinkünfte auf Krankenversicherungsbeiträge von T auswirken.

BESONDERHEITEN BEI MINDERJÄHRIGEN KINDERN (ODER ENKELN)

Das gleiche Modell kann auch bei minderjährigen Kindern oder Enkeln vollzogen werden. Hier sind jedoch noch weitere Anforderungen an die steuerliche Gültigkeit zu stellen:

• Bei der notariellen Beurkundung bedarf es der Bestellung eines Ergänzungspflegers.

• Die Mieten müssen auf ein Konto des Kindes gehen und dürfen von den Eltern nicht für regelmäßigen Unterhalt o. ä. verwendet werden. Das Geld ist damit faktisch der Handhabe der Eltern entzogen und somit als Geldanlage für das Kind zu betrachten.

• Die Eltern haben den Mietvertrag für den Mieter erkennbar im Namen des Kindes abzuschließen, dies gilt auch für spätere Willenserklärungen i. Z. m. dem Mietverhältnis; ggf. ist für Änderungen im Mietverhältnis im Nießbrauchszeitraum eine vormundschaftsgerichtliche Genehmigung erforderlich.